Donnerstag, 06.08.2026

Studie: Ein Euro für junge Erwachsene bringt rund dreimal so viel sozialen Nutzen wie für Ältere

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Fuldaer Bote Redaktion

Ein Euro staatlicher Unterstützung für junge Erwachsene erzielt laut einer Studie des Netzwerks EconPol auf Basis französischer Daten einen erheblich höheren sozialen Ertrag als dieselbe Summe für ältere Erwerbstätige. Demnach liegt der soziale Nutzen pro Euro für die jüngere Altersgruppe bei etwa dem Dreifachen. Die Studie hebt besonders Leistungen hervor, die jungen Menschen den Verbleib in Ausbildung ermöglichen, weil sich diese Investitionen zum Teil über höhere spätere Einkommen und Steuerzahlungen auszahlen.

Ergebnisse im Detail

Die Untersuchung wertet Daten aus Frankreich aus und kommt zu mehreren markanten Befunden. Junge Erwachsene geben demnach im Durchschnitt 45 Cent von jedem zusätzlich erhaltenen Euro aus, während ältere Personen nur rund 24 Cent ausgeben. Dieses unterschiedliche Ausgabeverhalten interpretiert die Autorin Marion Brouard vom ifo Institut als Hinweis auf stärkere finanzielle Einschränkungen bei Jüngeren. Sie betont, dass junge Erwachsene fast jeden zusätzlichen Euro für alltägliche Ausgaben benötigen und deshalb kaum ein finanzielles Polster haben.

Ein häufig vorgebrachtes Argument gegen gezielte staatliche Transfers lautet, diese könnten private Unterstützungsleistungen wie elterliche Zuwendungen verdrängen. Die Studie findet jedoch, dass ein solcher Verdrängungseffekt nur begrenzt eintritt. Unterm Strich kommen rund 88 Prozent einer staatlichen Transferleistung bei jungen Empfängern tatsächlich an.

Armutsentwicklung und nationale Unterschiede

Nach Angaben von Eurostat sind in der Europäischen Union etwa 24 Prozent der jungen Erwachsenen von Armut bedroht, gegenüber rund 19 Prozent der älteren Personen im Erwerbsalter. Diese Schere habe sich in den vergangenen Jahren geöffnet. In Deutschland stieg die Armutsgefährdung junger Erwachsener von 24 Prozent im Jahr 2015 auf 27 Prozent im Jahr 2025. Für Frankreich wird ein Anstieg von 22 Prozent auf 25 Prozent im gleichen Zeitraum angegeben.

Die Studie stellt fest, dass sich Armut in den vergangenen Jahrzehnten tendenziell von älteren auf jüngere Bevölkerungsgruppen verlagert hat. Frankreich liefert dafür ein konkretes Beispiel: Die zentrale Mindestsicherungsleistung ist für Personen unter 25 Jahren nicht allgemein zugänglich, was die Situation junger Erwachsener verschärfe. Solche Altersgrenzen finden sich laut der Studie auch in anderen Ländern.

Öffentliche Meinung und politische Folgerungen

Eine repräsentative Umfrage in Frankreich zeigt laut Studie eine Zustimmung in der Bevölkerung für eine stärkere Umverteilung zugunsten junger Erwachsener gegenüber älteren Personen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt Marion Brouard, öffentliche Mittel dort einzusetzen, wo sie den höchsten sozialen Ertrag liefern. Das gelte insbesondere für Maßnahmen, die junge Menschen in Ausbildung halten und damit langfristig höhere Einkommen und Steuerbeiträge ermöglichen.

Die Autoren sehen in den Befunden eine Aufforderung an die Politik, bestehende Sicherungssysteme und Altersgrenzen zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen, um den veränderten Bedarfen unterschiedlicher Altersgruppen Rechnung zu tragen.

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