Neue Freihandelsabkommen könnten nach Berechnungen des ifo Instituts einen Teil der Verluste durch die US-Zollpolitik ausgleichen und in der Summe sogar positive Effekte für deutsche Exporte und das Bruttoinlandsprodukt erzeugen. Die Studie wurde im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellt und enthält konkrete Modellrechnungen für mehrere Verhandlungsparteien.
Ergebnisse der Modellrechnung
Dem ifo-Bericht zufolge würde ein Paket aus Handelsabkommen mit sieben wichtigen Partnern die negativen Effekte der US-Zölle nicht nur kompensieren, sondern übertreffen. In dem angenommenen Szenario führen Abkommen mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay sowie mit Indien, Australien, Indonesien, Malaysia, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu einem Anstieg der deutschen Exporte um bis zu 4,1 Prozent. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt könnte demnach um bis zu 0,5 Prozent steigen.
Besonders starke Wertschöpfungseffekte würden dem Bericht nach in exportintensiven Industriebranchen erwartet. Für den Maschinenbau wird ein Zuwachs von 2,7 Prozent errechnet, für die Chemieindustrie 3,1 Prozent und für die Automobilindustrie 3,2 Prozent. Ohne zusätzliche Freihandelsabkommen würden die US-Zölle das deutsche BIP mittelfristig um 0,13 Prozent und die Exporte um 1,3 Prozent reduzieren.
Fokus auf laufende Verhandlungen
Lisandra Flach, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft, bezeichnete die Unterzeichnung des Abkommens mit Mercosur als „wichtigen ersten Schritt“. Zugleich mahnte sie, dass weitere Handelsabkommen mit zusätzlichen Partnern nötig seien, um die negativen Folgen der US-Zollpolitik zu kompensieren. Die EU sollte sich laut Flach darauf konzentrieren, auch die derzeit laufenden Freihandelsverhandlungen zügig zu Ergebnissen zu führen. Sie verwies darauf, dass ein Abkommen mit Indonesien bereits ausgehandelt vorliege.
Methodische Hinweise und politische Bedeutung
Die in der Studie genannten Werte beruhen auf Modellrechnungen, die Annahmen über Umfang und Wirkung der geplanten Abkommen treffen. Solche Simulationen liefern Hinweise auf mögliche Effekte, sind jedoch abhängig von der tatsächlichen Umsetzung und den detaillierten Inhalten der Vereinbarungen. Die Studie wurde von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft in Auftrag gegeben und vom ifo Institut ausgeführt.
Die Ergebnisse untermauern in der politischen Diskussion die Forderung, Handelsverhandlungen aktiv voranzutreiben, um mögliche Nachteile durch protektionistische Maßnahmen anderer Wirtschaftspartner abzufedern. Konkrete Verhandlungen und Ratifizierungen bleiben allerdings politisch umstritten und zeitlich ungewiss.
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